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Christoph Keese zur Digitalisierung: „Der Realität ins Auge sehen“

eingestellt von Robert Klein am 11. Mai 2019

Was Unternehmer tun sollten, um die Digitalisierung zu meistern, wer die Zukunft nachhaltig verändert und was die Kehrseite der Medaille ist: Das erklärte Bestseller-Autor Christoph Keese am Mittwoch den rund 400 Gästen bei der achten Auflage von „Wirtschaft trifft“. Das Treffen von Unternehmern aus dem gesamten Westmünsterland war zu Gast im Neubau der Firma Sicon in Gescher.

Christoph Keese machte deutlich, dass Pessimismus die falsche Art sei, um den digitalen Veränderungen entgegenzusehen. „Wichtig ist, dass wir der Realität ins Auge sehen und uns mit dem Thema auseinandersetzen“, so Keese. Es sei nicht bekannt, wie viele Berufe durch die Digitalisierung verschwinden werden. Sicher sei nur, dass die Regel ´Bildung schützt vor Arbeitslosigkeit´ künftig keine Gültigkeit mehr habe, erklärte Keese. Welcher Beruf von der Digitalisierung überhaupt nicht bedroht sei? „Massagetherapeut“, lautete die Antwort des Experten. „Denn den menschlichen Kontakt kann eine Maschine nicht ersetzen.“

Was Unternehmen tun sollten, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten, erklärte Keese am Beispiel der zehn bestbewerteten Unternehmen weltweit. Sieben dieser Unternehmen richteten sich mit ihren Plattformen an Verbraucher. Darunter sei kein deutsches, auch kein europäisches Unternehmen. „Hier sei das Rennen für uns fast verloren“, so Keese.

Großes Potential gebe es allerdings bei den Plattformen, die sich an Unternehmen richten. Auf den vielen Wertschöpfungsstufen habe Deutschland dank seiner Produktionsstärke in jeder Branche eine große Chance auf solchen Plattformen. „Gedanken machen müssen wir uns auch um die Branchen, die wir noch gar nicht haben, zum Beispiel im Bereich der Künstlichen Intelligenz“, forderte Keese.

 

Vorteil für Mittelstand

Wichtig für die Unternehmen sei es, sich selbst neu zu erfinden, bevor es jemand anderes für sie tut. Sie müssten sich fragen, ob es Leute von außen gebe, die ihr Geschäftsmodell disruptieren, also abschaffen wollten. Beispiele seien Google und Facebook, die die Medienlandschaft völlig verändert haben, obwohl deren Gründer nie in der Medienbranche gearbeitet haben. „Wer das verhindern will, muss herausfinden, was den Kunden nervt“, forderte Keese. Dann ließe sich mit neuen Methoden versuchen, die Kundenwünsche umzusetzen und Abläufe zu vereinfachen.

Mittelständische Unternehmen haben laut Keese einen Vorteil in diesem Prozess, weil sie kleiner und damit agiler als Großunternehmen sind. „Sie können verhärtete Marktsituation aufbrechen und den Weltmarkt erobern. Außerdem ist es durch die Digitalisierung möglich, ins Ausland zu expandieren, ohne dort einen einzigen Mitarbeiter zu positionieren“, verdeutlichte Keese den anwesenden Unternehmern.

 

Staat ist gefordert

Auf politischer Ebene, so Keese, bestehe dringender Handlungsbedarf: „Der Staat muss seiner Verantwortlichkeit nachkommen und sich endlich um seine Digitalisierung kümmern.“ Sonst drohe eine Privatisierung vieler Dienste, die zurzeit die öffentliche Hand steuert. Das würde zu sozialer Ungleichheit und damit zu Ungerechtigkeit führen.

 

Digitalisierungs-Experte Christoph Keese (2.v.r.) war zu Gast bei „Wirtschaft trifft“, hier mit (von rechts) Heinrich-Georg Krumme (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Westmünsterland), Michael Terhörst (Chefredakteur Wirtschaft aktuell), Edgar Hornhues (Geschäftsführer der Firma Sicon) und Ralph Woschny (Geschäftsführer von Wirtschaft aktuell).

 

Heinrich-Georg Krumme, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland, die die Veranstaltung gemeinsam mit Wirtschaft aktuell organisiert hat: „Die Digitalisierung ist ein Abenteuer, wir brauchen Strategien und Ziele, um ihr zu begegnen. Die Meinungen und Erklärungen von Christoph Keese brachten einen echten Mehrwert für uns und unsere Gäste aus dem Westmünsterland.“